Warum die USA gegen die Verkehrssicherheitserklärung der Vereinten Nationen gestimmt haben

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Die Reduzierung der Verkehrstoten sollte keine politische Debatte sein. Doch genau so haben die USA gestern ein kritisches globales Abkommen behandelt. Auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen wurde eine Erklärung zur Verbesserung der weltweiten Verkehrssicherheit nahezu einstimmig angenommen. Einhundertzweiundsechzig Mitgliedstaaten stimmten dafür. Die Vereinigten Staaten waren der einzige Widerstandskämpfer.

Es ist nicht so, dass andere Andersdenkende ihre Spuren verheimlichten. Argentinien, das sich aufgrund von Souveränitätsbedenken ebenfalls von der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen distanziert, stimmte mit Ja. Sie hatten sicher Vorbehalte. Aber sie haben den Antrag nicht blockiert. Die USA standen allein da und sagten Nein.

Der Einsatz dieser Abstimmung ist konkret und nicht abstrakt.

Das Ziel 2030 und der amerikanische Exzeptionalismus

In der Erklärung selbst wird ein einfaches, dringendes Ziel bekräftigt: die Zahl der Verkehrstoten und -verletzten weltweit zwischen 2021 und 3030 zu halbieren. Darin werden die Regierungen aufgefordert, eine federführende Behörde auszuwählen. Um es zu finanzieren. Den öffentlichen Nahverkehr reparieren. Darin werden 48 konkrete Zusagen für sicherere Straßen dargelegt, wobei der Schwerpunkt besonders auf denjenigen liegt, die am stärksten von Gewalt im Straßenverkehr betroffen sind – Fußgänger, Radfahrer und Schulkinder.

Dan Negrea, der US-Vertreter, nahm kein Blatt vor den Mund. Negrea, ein ehemaliger rumänischer Regierungsbeamter, der in den USA Asyl beantragte, verbrachte Jahrzehnte an der Wall Street. Sein Ansatz bei den Vereinten Nationen scheint weniger von diplomatischen Nuancen als vielmehr von ideologischem Kampf geprägt zu sein. Er warf der Versammlung vor, Verkehrssicherheit mit Klimaschutz zu vermischen.

Er argumentierte, die Erklärung sei ein „Hintertürinstrument“ zur Durchsetzung globaler Klimapakte und zur Einschränkung der „Freiheit der Mobilität“.

Es ist eine seltsame Beschwerde.

Wer weniger Autos fährt, verringert die Emissionen. Es reduziert auch die Dämpfe, die uns ersticken. Sauberere Luft bedeutet weniger Atemwegserkrankungen. Die gesundheitlichen Vorteile überschneiden sich erheblich. Man kann die Gesundheitskrise der Verkehrstoten nicht einfach von der Umweltkrise der Umweltverschmutzung trennen. Sie werden an der Hüfte gebunden.

Negrea nannte die Erklärung sowohl eine „symbolische globale Geste“, was bedeutet, dass sie nichts bewirkt, als auch ein Instrument zur Durchsetzung von oben nach unten, was bedeutet, dass sie zu viel bewirkt. Die Logik hält nicht stand. Aber es passt in ein Muster.

Bundespolitik vs. globale Standards

Negreas Haltung passt perfekt zum innenpolitischen Verhalten der aktuellen Bundesverwaltung. Die Trump-Regierung hat aktiv die Finanzierung von Radwegen gekürzt. In den Infrastrukturgesetzen wurde der Fußgängerschutz weniger betont. Es hat aus einem eigentlich alltäglichen Problem der öffentlichen Gesundheit einen Brennpunkt des Kulturkriegs gemacht.

Verkehrssicherheit geht jeden an. Es geht über politische Grenzen hinweg. Dennoch zieht es das derzeitige Weiße Haus vor, es als Angriff auf die individuelle Freiheit darzustellen.

Das ist nicht nur Rhetorik. In seinen Anhörungen zur Bestätigung durch den Senat im Jahr 2025 versprach Negrea, eine „kompromisslose Verteidigung der Souveränität Amerikas“ voranzutreiben, verpackt in einem Paket „amerikanischen Exzeptionalismus“. Diese Weltanschauung lässt nicht viel Raum für internationale Zusammenarbeit bei so grundlegenden Dingen wie der Aufrechterhaltung des Lebens auf der Autobahn.

Die wahren Kosten der Untätigkeit

Hat Negrea recht damit, dass es sich nur um eine symbolische Geste handelt? Vielleicht.

Wenn Regierungen die Empfehlungen nicht finanzieren, ist die Erklärung nur Papier. Wenn Politiker zu viel Angst davor haben, die Fahrpreise im öffentlichen Nahverkehr zu erhöhen oder Geschwindigkeitsbegrenzungen zu senken, um Leben zu retten, sind die Ziele unerreichbar. Die Welt versäumt es, zu handeln.

Die Zahlen sind krass. Im Jahr 2025 starben weltweit über eine Million Menschen im Straßenverkehr. Nur zehn Länder haben das Reduktionsziel von 50 % tatsächlich früher als geplant erreicht. Der Rest hinkt hinterher. Besonders die USA sind vom Kurs abgekommen.

Die Todesrate von Fußgängern in Amerika steigt. Es wird immer gefährlicher, einfach die Straße entlang zu gehen. Dies ist keine Zwangsläufigkeit. Es ist ein Designfehler.

Sicherere Straßen gestalten

Wir wissen bereits, wie wir das beheben können. Es erfordert keine komplexe Technologie.

Durch die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs werden Autos optional. Eine bessere Traumaversorgung rettet Leben nach Unfällen. Vorhandene Technologie hilft. Das effektivste Mittel ist jedoch eine durchdachte Straßengestaltung. Verengte Fahrspuren. Geschwindigkeiten reduzieren. Trennung von Fahrrädern und Autos. Diese Änderungen sind günstig. Sie sind bewiesen.

Die Erklärung listet die Lösungen auf. Fast jedes Land stimmt ihnen zu.

Die USA sind anderer Meinung. Nicht, weil die Daten unklar sind. Nicht weil die Lösungen unmöglich sind. Sondern aufgrund einer Ideologie, die internationale Zusammenarbeit als Bedrohung und Verkehrssicherheit eher als Wahl denn als Notwendigkeit betrachtet.

Millionen sterben immer noch. Der Weg vor uns ist offen. Und Amerika hat dafür gestimmt, es zu ignorieren.